Glückliche Erben

von Luxus Lazarz

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Wenn ich jede Erfahrung, die kaum mein Leben bedroht, mehr und mehr widerstandslos akzeptiere, dann bekomme ich letztendlich jene, die von Beginn an – für mich bestimmt ist. Diese Erfahrung treibt dann auf mich zu, absolut ungehindert, und ich weiche nicht aus, lasse den Verstand und seine raffinierten Umleitungen ruhen. Und sie treibt auf mich zu, genau jene Erfahrung von Leben für die Gott jeden einzelnen Menschen auf Erden erscheinen, erblühen und sich gestalten lässt. Das Göttliche kommt uns beständig entgegen, allein wir, die Menschen sind es, welche das Wunder nicht wahrnehmen, stattdessen das geschenkte Leben mit zusammengeklaubtem Inhalt erfüllen.

Über alle Maßen mit Fähigkeit, Verstand und Güte reich gesegnet, eignet sich der Mensch ohne Unterlass Charakterzüge an, die ihn mehr und mehr entfernen von all jenem, was dem Wachsamen beinahe frei von Anstrengung sowie ganz natürlich möglich ist, zum Beispiel einfach zufrieden, heiter und zuversichtlich zu sein.

Warum dem so ist, kann ich mit Worten nicht erklären, dennoch wird all jenen, die sich selbst – in dem was ist – erkennen, jede Erfahrung zufallen, die ihnen wünschenswert erscheint, ebenso jede Antwort, deren Frage mit Bedacht und Herz wurde gestellt. Darüber hinaus wirkt das Dasein des in sich Einigen erhellend, stillend, erheiternd und friedvoll. Dies kommt daher, dass der Mensch alle wirbligen Strömungen in sich klärt, bevor diese in sein Umfeld tosen und dort zum unkontrollierbaren Sturm aufbrausen.

Menschen neigen ebenfalls dazu, unbewusst Angst vor sich selbst zu haben, vor ihrer eigenen Unberechenbarkeit, vor dem Vergleich mit dem Maß des Anderen, der meist genauso ängstlich ist, nur anders zugeschnitten. Manches lässt sich der junge Mensch einreden, doch später – als Reifender – entscheidet er eigensinnig, was für ihn haltbar ist und was nur Gedöns. Dennoch wählt er letztendlich stets aus jenem, was man ihm auf dem Weg in die Eigengestalt seines Lebens als Angebot offerierte.  Alles wahrhaft Eigene in seinem Leben wird erst noch – durch ihn – einen Weg in die Gegenwart finden. Selbstverständlich in die Gegenwart des Menschen – der erzeugt, was zuvor niemand als glaubhaft oder denkbar annahm. Leichtigkeit drängt sich dem Menschen selten auf. Sie ist, genau wie die Liebe und das Licht. In Ermangelung eines geistigen Gefährten in der Realität des Menschen, kann dieser in sich Lauschen und dort derart reich fündig werden, dass es für Wochen, Monate und sogar Jahre – seliger Freude langt. Von morgens bis in die Nacht, in jedem wachen Moment und auch in den Träumen ist dann das Leben überwiegend eine Feier von Schönheit und Lebendigkeit.

Alles verändert sich dennoch stetig weiter, und ich bin mir nicht sicher, ob man aus dem vorstehend beschriebenem Zustand herausfällt, oder sich in Wirklichkeit nur daran gewöhnt, wie einst an das Glück. Jenes Glück, welches oft in wohlgefälliger Gestalt und dies auf hohem Berg sowie im tiefen Tal, an des Menschen Seite weilt. Hilft, wo Mensch sich helfen lässt, schweigt, wenn er die Hilfe ablehnt. Doch es bleibt und lässt nicht allein, was ihm anbefohlen ist. Den Menschen, dem es zugeteilt wurde – das Glück, beigeordnet von ganz, ganz oben und innen, weit über alles Vorstellbare hinaus und selbstverständlich von Geburt an, wahrlich sogar schon ein bisschen davor.

Dieses Erbgut „Glück“ trägt kein weltliches Gesicht, vielmehr ist es unbestimmt und anpassungsfähig. Erstrahlt aus dem Geliebten, teilt sich in Harmonie das Lachen und auch das Schweigen im Menschen, um fühlbar in Erscheinung zu treten, denn Worte braucht es wahrlich nicht. Das einstmals kleine Glück hat sein geniales Fühlwerk bei der Liebe erlernt, und diese sprach nur selten, schon gar niemals Unerfreuliches, doch war sie immer da und keinesfalls woanders. Wo sollte dieses Woanders auch sein? Und derart von klein auf an ausdrücklich auf Freude geeicht, konnte das Glück von allem Übel unberührt absolut wachsen, sodass es stets für alle reicht. Denn merke: Mit jedem Menschen wird auch mehr Glück geboren. Es ist offensichtlich da, das Glück und dies für alle Menschen, insbesondere für jene, die das Glück in ihrem Leben suchen, in all jenem was ihnen jemals zuteil wurde, genau diese werden zuerst fündig und können ab dann tatsächlich selbst entscheiden, wann das Glück Urlaub hat und bei welchen Gelegenheiten es ganz mit bei der Sache sein darf.

Dies alles klingt fantasievoll, wie wohl Ungezähltes in unserer Erinnerung zuvor, welches jedoch wiederum heutzutage keine Fantasie mehr ist. Dennoch wird sich letztendlich die menschliche Fantasie, als einzigartiger Sprengmeister aller möglichen Bilderrahmen erweisen und dies in erstaunlich erhellender Art. Man wird ihr freudvoll huldigen, auf dem Land und auf dem Wasser und nur freudvoll, nur so, nur so. Dies passiert, da jede andere Möglichkeit – in nicht allzu ferner Zeit, aus aller Leben Erinnerung unwiderruflich verschwunden ist. Denn wer in sich keinen Vorrat an Üblem sammelt, braucht dessen Anblick, Ausdünstung und Geruch, auch niemals wieder zu ertragen. Der Verstand blickt mit Absicht, die Seele mit Sinn und Gefühl. Was mein Blick dem Leben nicht vermittelt, kann es mir nicht bringen, denn ich hab nichts bestellt. Doch jenes, was ich ihn mir wohlgefällig züchte kommt einem Embryo gleich und kann somit vom Leben realisiert sowie an mich weitergereicht werden. Das ist so unglaublich wahr, dass ich jedes Mal vor Entrüstung auf den Tisch hauen muss, wenn ich es wieder einmal vergaß.