Gründlich

von Luxus Lazarz

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Es hat einen Grund, wieso wir angestrengt tun, leiden, sprechen sowie auch unzufrieden und so weiter sind, ohne es eventuell selbst zu bemerken. Habe ich die Absicht, mich willentlich von aller Unzufriedenheit zu lösen, stellt mir das Leben Begegnungen, Zufälle und Erfahrungen zur Verfügung, mit deren Hilfe es mir gelingen kann, Einblicke in mein Innerstes, und zwar bis zum Urgrund aller Unzufriedenheit zu bekommen.

Ich empfinde in mancher Hinsicht widerspenstige Gefühle und bin mir gleichfalls dessen bewusst, dass all meine Unzufriedenheit nur Kraftverschwendung ist, die dazu beiträgt, dass ich mich von der mir innerlich gegebenen Zufriedenheit und Friedlichkeit entferne. Dabei sind es oft nur wenige Gedanken, die einen leichten Schleier bilden, die zwischen mir und dem inneren Frieden schweben, mir die klare Einsicht und daraus folgende Erfahrung verwehren. Ich hab ihn selbst gewebt, den Schleier, denn ursprünglich kam ich ohne in die Welt. Da war nichts in mir, aus dem der Verstand einen Schleier hätte machen können, da war nur Stille, fühlbare Bewegung und Licht, sonst nichts, auch kein Ich.

Die Erinnerung zeigt mir, seit dem Erscheinen des Ich, wuchs in mir tatsächlich stets die Unzufriedenheit, wenn mir ein Anderer etwas erklärte und ich nicht verstand, was dieser sagte, die Bedeutung nicht erfassen konnte und mir selbst die Haare raufte, derart unerträglich war das Gefühl, nicht verstehen zu können. Heute ist mir bewusst, dass Einiges gar nicht verstanden werden konnte, weil es absoluter Blödsinn war. Darüber zu lachen, ist zwischenzeitlich ganz einfach.

Sich an die Einfachheit des Lebens zu gewöhnen und aus dieser Einfachheit heraus, eine andere Form der Wahrnehmung für das Lebens zu entfalten, erscheint anfänglich beinahe unmöglich und dennoch verlockend leicht zugleich. Denn schwer ist es nicht, den Blick vom Herkömmlichen abzuwenden, die Gedanken nach dem Wunderbaren auszurichten und zu staunen, wie diese leichte Veränderung, stetig mehr Wirkung zeigt, Kreise zieht, die sich zu Spiralen erweitern. Schwer ist dies alles nicht, nur so entgegen all dem Bewährten, welches sich letztendlich doch nicht bewährt hat. Jedenfalls nicht in seiner Gänze und auch nicht derart grenzübergreifend, wie einst von den notlosen Philosophen empfohlen und angedacht. Langsam trottete der Schimmel durch das Land, so kam manche Botschaft erst Jahrhunderte nach deren Erscheinen, im Kopf des Individuums an. Zwar wurde zur Selbstständigkeit im Denken angeregt, gar aufgefordert und mittels eigenem Beispiel auch vorgemacht, doch studiert wurde durch das Publikum wie meist, ausschließlich die Schrift und das Bild des Autors im Hintergrund.

Beim Lesen der Biographien namenhafter Vorbilder, zeigt sich mir wahrhaft jenes, was schon lange bewusst, jedoch noch nicht intensiv hinterfragt ist. Alles Leben scheint nur eine Show zu sein, die sich aus den durch uns empfangenen Eindrücken gestaltet. Die Menschenkinder wählen Vorbilder und äffen diese nach, doch am Ende brechen auch die Vorbilder zusammen und das Publikum kann erkennen, dass jenes vorübergehend Faszinierende – in sich einen Schatten trug, beinahe so – wie das Publikum sich selbst wahrnimmt. So gibt es also vielerorts die Bühnen der Welt, mit all den Mimen darauf und das Publikum davor. Doch am Beginn sind wir Mensch und am Ende auch. Um sich dem bühnenreifen Dazwischen zu entziehen, bedarf es einer geistigen Anstrengung und der Konzentration auf das eigene Dasein als Mensch. Die Liebe brachte uns ins Leben und keinesfalls waren wir einem Zweck zugedacht, oder als Mittel für den Erfolg des Anderen geplant.

Zweck und Mittel sind kein Liebespaar. Denn Liebe umfasst die Seele des Anderen, die ein Mensch jedoch nur mitfühlen kann, wenn das Geliebte, eben nicht mit einem Zweck verbunden wurde. Und auch der absichtslose Blick in das Umfeld, macht mir überall die Liebe sichtbar, nach der ich mich innerlich sehne, ohne zu suchen.

Jede erweiterte Sicht in das Leben, bringt auch stets ein weiteres Leben mit sich. Die Liebe befähigt den Menschen, das Buch seines Lebens – in sich zu weißen, und all jenes, was hinter ihm liegt, nun außeracht zu lassen, da es wahrlich überwiegend bedeutungslos für die erstaunliche Erfahrung des Gegenwärtigen ist.

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Begoldete Brücke mit Kormoran

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