Spieglein, Spieglein in der Welt

von Luxus Lazarz

„Wir sind, was wir denken. 
Alles, was wir sind, entsteht aus unseren Gedanken.
Mit unseren Gedanken formen wir die Welt.“ *

Wenn wir die Welt wahrhaft als einen Spiegel wahrnehmen, als Spiegel unseres Fühlen, Denken sowie Handeln, sind es ja nicht nur Menschen, die uns gespiegelt werden, denn sind wir in der Natur oder haben Haustiere, so sind auch diese ein Spiegel unser selbst. Die Natur in ihrer Gesamtheit ist ein vollkommen eigenständiges Wesen. In dieser Eigenständigkeit produziert sie sogar so viel Überschuss, dass die ganze Menschheit mit davon leben kann. Nichts wird hier verschwendet, nichts ist zuviel. So kann man die Natur gar als Superspiegel sehen, nämlich als jenen Superspiegel, der im Detail ein wahrhaftes Modell aller Zusammenhänge im Universum widerspiegelt. Insbesondere jener Urkräfte des Lebens, die selbst dem Grashalm jenen Willen und eigenständigen Trieb verleihen, durch Beton zu sprießen.

Auch der Mensch kann auf die widerlichsten Umstände treffen, dennoch kann er diesen entwachsen und derart sich daraus befreien. So, wie dem Grashalm auf der Wiese, eine Wurzel den Halt im Erdreich bietet, so kann sich der Mensch auch seiner Wurzelschaft im Reich des Geistigen gewiss sein. Das geistige Reich hat keine Grenzen. Der wahre Mensch lebt im Unsichtbaren. Gedanken, Gefühle, selbst Worte sind nicht sichtbar. Man vertraut dem Klang bei der Verständigung. Das, was einen Menschen wahrhaft Mensch und lebendig sein lässt, bleibt also unseren Augen verborgen. Doch in gewisser Weise ist es fühlbar, denkbar, wahrnehmbar und stets in der Stille sowie auch im Schlafe wirksam.

Der sich verwirklichende Geist, welcher die Erde und das Leben menschlich wahrnehmen will, erschafft sich mit Gott im Team – am Beginn seiner Reise einen Raumanzug. Dieser Raumanzug ist der Körper des Menschen. Der Kopf ist unser Schutzhelm und beinhaltet das Computerzentrum, in dem alle Eindrücke und Daten aus der unmittelbaren Umgebung angenommen sowie verarbeitet werden. Der Anzug selbst, ergibt sich aus jenen Informationen, die im Helm begutachtet und im Körper dann  – und dies meist einwandfrei – verstoffwechselt werden.

Das Göttliche in uns, den uns betreibenden Geist, kann man sich einfach als eine Säule aus Licht vorstellen, die innerlich von der Mitte der Brust bis zum Bauchnabel reicht. Das Licht der Säule strahlt in alle Bereiche des menschlichen Körpers. Lässt sich im Popo, in den Zehen und selbst im Gehirn, strömend wahrnehmen. Beim freudigen Tun, in der Liebe und allumfassend beim Orgasmus, gleichgültig ob körperlich oder geistig – durchflutet das Licht den ganzen Körper. Es dehnt im wahrsten Sinn, das Leben in uns aus. Was sich dann zwangsläufig – wenn auch oft vorübergehend – im Empfinden des mit Licht belebten Menschen bemerkbar macht. Alle Wahrnehmung erweitert sich, der Geist wird klar und still, Freude, Glücksempfinden und Zufriedenheit strömen nun in das Bewusstsein ein. Man könnte das Licht auch die Seele nennen, welche fast schwerelos im Menschen schwingt. Doch jede ihrer Schwingungen ist fühlbarer als die Gesamtheit aller Eindrücke, welche das Umfeld einem Menschen darbieten kann.

Forscher haben angeblich gemessen, dass wenn ein Mensch stirbt, dessen Gewicht beim Eintritt des Todes genau 21 Gramm verliert. Wie wenig das Leben wiegt und dennoch hat dieses Wenige eine Wirkung, die unnachahmlich ist. Wenn man diesen Fakt durch den Verstand streifen lässt und erkennt, wie „wenig“ einen Unterschied ausmacht, und zwar den Unterschied zwischen Leben und Tod, dann kann man sich ebenfalls dessen bewusst sein, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit genau diese Leichtigkeit ein Wegweiser ist, der zu all dem führt, was das Licht im Raumanzug erleben will. Die Natur des Menschen ist derart eingestellt, dass wenn er sein eigenes Licht anerkennt, ihn nichts und niemand mehr auf Dauer davon abbringen können, diesem Licht zu folgen. So einfach wie der Mensch einst lernte, mittels Spielzeug und Fantasie eigene Realitäten zu erschaffen, gelingt es ihm nun auch sein wahrhaftes Leben, freudvoll und einzigartig im Licht zu gestalten.

 

Schöner Buddha

* Das einführende Zitat wird Siddartha Gautama,
auch Buddha genannt, zugeschrieben.

 

Es gibt so viele Möglichkeiten, das uns geschenkte Leben – einzigartig wahrzunehmen und keine davon ist käuflich, weil wir sie alle in uns haben. Einst waren mir Menschen verdächtig, die nie ein Problem hatten, überwiegend lächelten und scheinbar gar nichts ernst nahmen. Auf manche war ich auch neidisch, wegen der ungerechten Verteilung des Glücks auf Erden. Später wurde mir bewusst, dass diese Menschen mir eine Möglichkeit der Wahrnehmung spiegelten, die auch in mir abrufbar war. Ich begann sie nachzuahmen, und mit den Jahren machte ich eigene Erfahrungen, die mehr und mehr all das Schwere aus dem Leben nahmen. Jenes war jedoch der einzige Anker für das Leid in mir und so kam auch dieses abhanden. Am meisten geschockt hat mich jedoch die Einsicht, dass kein Weg zurück führt. So musste ich zwangsläufig vorwärts gehen, Pfade treten und dabei stets im Jetzt sein, um vertrauensvoll den nächsten Schritt zu wagen. Und immer wieder begegneten mir an Kreuzungen Menschen, die ein Spiegel waren für jenes, was ich in mir züchtete, ablehnte, unterdrückte und natürlich auch liebte und achtete.

Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus. Man erntet, was man sät. Was ich selber denk und tu, trau ich jedem Anderen zu – sind letztendlich alles Gedanken, die die Erfahrungen zahlreicher Generationen zusammenfassen. Kurz und prägnant auf den Punkt gebracht, denn es war ja nicht immer so, dass dem Menschen derart viel Papier zur Verfügung stand, dass er es sogar zum Popo abwischen benutzen konnte. Manchmal frag ich mich echt, was haben wir uns nur dabei gedacht? Doch insgesamt betrachtet, bin ich total glücklich, dass wir alle lebendig sind, und zwar Jetzt und Hier.

Heute Nacht hat es hier, wie aus Milchkannen geschüttet. Bevor die Wassershow begann, wachte ich auf. Es war stockfinster und total still. Ich machte kein Licht und ging durch einen kleinen Flur zum Bad. Auf dem Thron verweilend, hörte ich den Regen losprasseln. Rechtzeitig gelang es mir, die Fenster zu schließen. Der Tag war heiß gewesen und die Fenster alle für die kühlende Nachtluft geöffnet. Der Regen brachte mehrere Liter Wasser pro qm mit sich. Zwei Räume wären geflutet worden, hätte mich nicht zuvor, etwas von Innen geweckt. Es gibt in meinem Leben wahrlich immer mehr Situationen, die mir das Vertrauen, welches ich in das mir geschenkte Leben gebe, leise, still und auch prasselnd widerspiegeln.

Nichts muss sein, doch alles kann, wenn ein Mensch es in sich lebendig liebt. Das Erkennen des eigenen Spiegels in allem Geschehen, rettet ungezählte Menschenleben. Wer die Kette der Gewalt in sich unterbricht, scheint mir mutiger als alle – die blind in sich selbst weiter mitmachen, was gar nicht ihres ist. Lass dich sein, wie du bist. Was dir nicht gut tut, bist du nicht, sondern nur eine Folge dessen, wie du das Leben in dir bewertest. Der Spiegel ist nur in deinem Umfeld direkt wirksam. Was dir das Fernsehen spiegelt, ist nur eine Auswahl von Möglichkeiten.

Die für mich, den Menschen, maßgebliche Realität, findet lediglich im Jetzt statt, welches mich wie ein Schutzraum umgibt, in dem ein einzigartiges Leben stattfinden kann, gleichgültig – wohin es mich zieht. Wütende begegnen Wütenden, Reiche sind mit Reichen zusammen, Liebende mit Liebenden. Bin ich alles buntgemischt, ist genau jetzt die Zeit reif, um zu klären, was ich wahrlich gern bin und es dann einfach zu sein.