Sanftes Passieren

 

Der Tag begann still, so wie es überwiegend passiert, wenn ich beim Aufwachen, die im Schlaf gegebene Stille – mit in den Tag nehme. Manchmal ist die Portion jedoch zu klein, dann reicht die Stille nicht, um eine Brücke zu bilden, und ich stolpere, komme gedanklich vom Wege ab. Die Stimmung in mir wandelt sich und obwohl nur Minuten zuvor, noch alles ganz klar war, ist mir nun komplett entfallen, warum ich jetzt und hier bin. Es passiert und doch kann es sich nicht halten, je stiller ich in mir kläre, was an Seltsamkeit durch mich zieht. Bis es nur noch sanft in mir murkelt und der laute Ruf von Wildgänsen, mich ganz aus dem Mini-Loch zieht. (Tief sind sie ja nicht mehr, die Bewusstseins-Löcher, doch immer noch sehr vertraut und bequem.)

Ich schaue auf zum Himmel und acht Wildgänse ziehen im Ausschnitt des Fensters hoch oben vorüber. Schön ist das Bild, der Himmel blau, die Wolken weiß und die Sonne lässt das Gefieder der Gänse, wie edles Metall im Fluge funkeln und glänzen. Wie kann ich da noch länger mit dem Leben und mir darin, uneins sein, wenn es mir so viel Schönheit in den Blick empfiehlt? Zurück in der nächsten Wirklichkeit, wird mir ganz leicht und ich tue, was getan werden will. Dabei zieht mich ein Foto im Internet an, es zeigt einen Follower. Meine Hand klickt und ich sehe was folgt.

Wie immer erweist sich das Leben selbst, also der geschickteste Arrangeur von jenen zauberhaften Zufällen, die mich stets auf ein Neues in Erstaunen versetzen, ein Erstaunen aus dem Freude wird, in dem sich Liebe fühlbar macht, nämlich jene, die uns alle im Innersten verbindet und trägt. Auf der, von mir – ohne bewusste Absicht oder Vorahnung angeklickten Seite, empfängt mich ein Gedicht von Miriam Hecht, das wie folgt betitelt ist und lesbar wird:

 

Wildgans Weise

Siehst Du die Wildgans reisen,
höre still auf ihre Weisen.
Leichtigkeit trägt ihre Schwingen,
lausche ihrem leisen Singen.

… “

… das Ganze Gedicht findest du hier.

 

Die Gedanken in dem Poem, drückten wahrlich einen Teil dessen aus, was mich aus der Heiterkeit gezogen hatte. Das erfreute mich und alles Denken in mir wurde ganz sanft sowie wieder auf ein fruchtbares Feld gelenkt. Der Lauf der Dinge insgesamt, erstaunte mich – wie immer – und dies fand ich des Bemerkens wert. Mehr ist nicht geschehen.

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