Ich brauche dies und das …

… sonst geht es nicht voran.

Manche Träume und Möglichkeiten, die ein Mensch für das eigene Leben in sich trägt – werden durch so manchen Menschen niemals erfahren, weil sie mit einer Planung begannen. Ein Mensch, der eine Möglichkeit oder Fähigkeit erfahren will und sich als Erstes fragt, was er dazu alles, über das bereits Vorhandene hinaus – sofort und gleich braucht, betritt selten den Weg zum ursprünglichen Ziel. Seine Vorbereitungen fordern oft so viel Überlegungen, Kraft, Zeit und Geld, dass der Mensch den eigentlichen Weg, gar nicht mehr erreicht oder beschreiten will.

Frühzeitig lernt der zivilisierte Mensch allerorts im Osten, Westen und auch im Hohen Norden: Planung ist das halbe Leben! Doch irgendwie – hört der Mensch nicht wirklich hin und greift stets erneut – nur nach der anvisierten Hälfte des planbaren Lebens. Versucht vergeblich und rücksichtslos, aus der Hälfte ein Ganzes zu machen. Investiert großzügig dabei sein Erbe sowie Fantasie in Angst und Sorge, damit die Planung Nutzen bringt.

Am Beispiel des einzigartigen Robinson, erfunden vom Geist eines Menschen namens Daniel Defoe, kann im Jetzt bereits der junge Mensch lesen, dass es hilfreich ist, wenn er all jene Gedanken, Dinge und Möglichkeiten als Erstes nutzt, die bereits in seinem Jetzt wahrhaft greifbar sind.

Der Mensch Robinson C. war für zahlreiche Jahre auf einer Insel gefangen. Dort gelangte er hin, da sein Schiff überraschend unterging. Eben befand er sich noch auf einer Reise – umgeben von ernsthafter Gesellschaft – und im nächsten Moment war er plötzlich allein. Gleichgültig, wo ein Mensch nach einem Untergang landet, selten hat er einen frischen Anzug dabei, das Rasierzeug parat oder ein Deodorant in der Hand. Niemand ist mehr da, den man fragen kann. Manchmal fehlt der andere Mensch auch deshalb, da alles, was man sagt, nun ungehört verklingt. Sogar das „Ich liebe dich“, findet in den Wind gesprochen, keinerlei Widerhall oder sinnlichen Halt. Keinesfalls fehlten dem Robinson C. allerdings der Fernsehapparat, ein Radio oder das Telefon, da diese Möglichkeiten der Ablenkung zu dieser Zeit noch nicht erfunden waren. Also besaß er anfänglich lediglich, nur sich selbst, eine Insel, die Weite und den Blick über das Meer. Von dort ersehnte er sich die Rettung. Eine Rettung aus der Gefangenschaft – mit seiner eigenen Persönlichkeit.

Was Robinson C. aus dieser – für ihn anfänglich wenig erfreulichen – Lebenssituation, dann in den folgenden Jahren Lebenswertes machte, weiß der Leser des Buches Robinson Crusoe bereits.
Für den nicht informierten Menschen folgt hier eine kurze Zusammenfassung, die das Wesentliche bildhaft und selbstverständlich subjektiv betrachtet darstellt:

Robinson C. erkundete und entdeckte die Möglichkeiten der Insel, auf der er gestrandet war, beziehungsweise – auf die er vom Leben mit Hilfe des Meeres geworfen worden war. Mit manchen Möglichkeiten freundete sich Robinson C. an, andere wiederum verwarf er – aus Mangel an Erbaulichkeit für sein Leben. Irgendwann entdeckte Robinson C. auf der Insel eine Pflanze, die sich als sehr vielseitig verwendbar erwies und mit geringem Aufwand züchten ließ. Robinson C. nannte die Pflanze in seiner Inselwelt „Lebenskuss“ und begann, sie bedingungslos zu lieben. Er nutzte die Pflanze in vielerlei Weise. Zum Beispiel erzeugte er Fasern für Stoffe, Öl zum Kochen, Tee und Medizin aus ihr. Durch die Natur selbst von innen gefördert, gelang dem Robinson C. ein Joint Venture mit der Natur und seiner Anwesenheit darin. Diese harmonische Gemeinschaft brachte seinem Leben unbeschreiblichen Gewinn. Das ganze Atmen, Fühlen, Denken und Tun auf der einsam gelegenen Insel – haben den Robinson C. für alle Zeit frei und glücklich gemacht.
Mit dem Kommen und Gehen der Jahre vergaß Robinson C. die Vergangenheit und lebte in einer Welt, die wahrhaft nachvollziehbar nur jenes an Wahrheit enthielt, was Robinson C. selbst – in ihr für möglich und machbar hielt. Denn nur dies war für den Robinson C., die einzig greifbare Wahrheit und wirkliche Realität.

Zum Ausklang des Buches wird Robinson C., durch eine unerwartete Wendung der Geschichte von der Insel gerettet. Er hat nun alles gelernt, was ihm auch das weitere Überleben auf dem Festland ermöglicht. Doch dieses Mal – in angenehmer und einfacher Art, denn er weiß durch eigene Erfahrung, dass alles, was ein Mensch wirklich benötigt, um in Harmonie und Freude mit sich selbst zu sein, in jedem Moment seines Lebens fassbar ist. Robinson C. hat diese Erfahrung wiederholt gemacht. Jahr für Jahr, Tag für Tag und Jetzt für Jetzt. Letztendlich blieb nur das Jetzt. Mehr Leben und Zeit als in diesem einen Augenblick – gibt es für den lebendigen Menschen nicht. Jedoch das wirklich Faszinierende ist, in diesem einen Moment schwingt das Fundament des Unendlichen, sobald der Mensch all die Gedanken ziehen lässt, die nicht gehören in das wirkliche Jetzt.
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