Die stille Umarmung

von Luxus Lazarz

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Innerhalb der hinter mir liegenden 12 Jahre, konnte ich ungezählt viele Male deutlich erkennen und wahrnehmen, dass etwas in mir Vorgestelltes, Gedachtes, Gewünschtes, Gefühltes sowie auch Geträumtes, sich manchmal aus dem Nichts und auch tatsächlich durch mich, wahrhaft ausdrückte, greifbar machte, also auf der Bildfläche vor mir erschien. Kurz gesagt: Wahr ward. Ich kann sehen und fühlen, wie es bei anderen Menschen ebenfalls vonstatten geht. Manchmal weise ich sie darauf hin, doch immer öfter lasse ich es sein. Was die Wahrscheinlichkeit, der in meinem Leben erkennbaren „Zufälle“ – sogar erhöhte und beschleunigte, da ich sowohl geistig als auch körperlich, dann ungehindert auf dem erstaunlich hellen Pfad weiter wandern kann. Dabei macht man keine Tür zu, sondern öffnet vielmehr eine nach der anderen und hinter jeder finde ich noch mehr Licht, als zuvor vorstellbar schien.

Obwohl es nun bereits so oft passierte, dass ich mich nicht einmal mehr an jedes einzelne Wunder dieser Art erinnern kann, gelingt es mir noch immer nicht, diese Form der Lebensentfaltung, als gewöhnlich bzw. stetig gegeben anzunehmen. Täte ich es, wären keinerlei wüste und aufrührerische Gedanken, mehr in mir zu finden. Mir würde die Sinnlosigkeit des Widerspruchs jederzeit bewusst sein und mein Leben wäre noch schöner, als es bereits ist. Mir ist klar, dass ich nur das begreifen kann, zu dem ich mich mit allen Sinnen und vollkommener Aufmerksamkeit hinwende. Das tue ich es jetzt.

Was passiert wirklich, wenn ich etwas denke und das Gedachte erscheint, taucht wahrhaft greifbar auf – in der mir zugänglichen äußeren Welt? Mancher Gedanke benötigte zwar scheinbar Jahre, sich zu verwirklichen, doch es gibt auch die vielen, welche nach wenigen Tagen, Stunden, oder gar Minuten wiedererscheinen und dies eindeutig wahrnehmbar im nahen Umfeld. Für mich ist jede bewusste Wahrnehmung dieser Art, ein direkt gegebener Hinweis darauf, dass wahrhaft alles, was ist, miteinander feinstofflich in Verbindung schwingt. Verbunden in einer Harmonie und Unausweichlichkeit, die über das von mir als Leben tatsächlich angenommene, weit hinaus reicht.

Nur ein Beispiel von Ungezählten:

Um auch mal wieder Geld in der Tasche zu haben, ohne einen Anderen darum bitten zu müssen, habe ich im November vergangenen Jahres einen Minijob angenommen. Neben anderen Tätigkeiten, hüte ich zwei Hunde und gehe auch mit diesen Gassi. Auch am Dienstag dieser Woche, stand derartiges Tun auf meinen Terminplan, und zwar für den Nachmittag von 15-18 Uhr. Obwohl ich es gern tue, hatte ich an diesem Dienstag gar keine Lust, das Haus zu verlassen. Andere Dinge beschäftigten mich, denen ich am Liebsten den ganzen Tag gefolgt wäre. Gegen 13 Uhr sah ich durch das Fenster in den hellgrauen Himmel und dachte mir, dass es echt schön wäre, wenn der Auftraggeber anrufen würde, um den Termin für diesen Tag abzusagen. Etwas, was in den 3 Monaten zuvor, nicht ein einziges Mal passiert war. Doch dann erinnerte ich mich, dass es ja nur drei winzige Stunden sind und gab den Wunsch auf.

Gegen 14 Uhr rief der Arbeitgeber tatsächlich an und sagte den Termin ab, mit der Begründung, dass er keine Lust hätte, heute das Haus noch einmal zu verlassen und deshalb auch kein wirklicher Bedarf für mein Kommen gegeben sei.

Ich hab mich natürlich sehr über diese Entwicklung des Tages gefreut. Selbst jetzt, entspringt mir noch ein Lachen, während ich mich an den damaligen Moment erinnere. Ursprünglich hatte ich halb bewusst in meinem Kopf, mit einer Möglichkeit gespielt. Die ich nun ganz bewusst, als geliefert wahrnahm. Vor noch nicht allzu ferner Zeit, hätte ich zu diesem Zeitpunkt den Wunsch schon wieder vergessen und aus den nun fehlenden drei Stunden Lohn, für mich ein Privatproblem gemacht. Doch Jetzt – nehme ich das Geschenk darin war, welches mit Geld gar nicht aufzuwiegen ist.

Also, was passiert wirklich?

Der Mensch und so auch ich, sind innerst mit allen Menschen verbunden, derer man gewahr wird. Zum Beispiel mit dem jetzigen Geliebten, war ich fühlbar verbunden, ohne ihn zuvor zu kennen. Er war das Unbekannte, nach dem ich mich sehnte. Wie genial wir zueinander passten, merkte ich erst nach mehreren Jahren. In diesen veränderten wir uns nicht, doch ließen manche Idee und Vorstellung hinter uns, welche der Liebe ein Korsett anlegten und auch Ängste, die sie mundtot machte. So kann ich letztendlich erkennen, es wurde nichts passend gemacht, sondern vielmehr jenes enthüllt, was dies bereits war. Überwiegend passierte dies in stillen Momenten.

Je näher ich etwas bin, um so mehr mischen sich die Energien und beeinflussen sich damit. Doch wie kann es sein, dass sie sich am allermeisten – und dies entgegen aller offiziell geltenden Lehren – durch Stille wahrlich nahe kommen? Worte verklingen, Stille bleibt. Welch einfache Antwort da wieder zufällt. Dankeschön. Und ich sehe es in mir, den Moment der Verbindung in Stille, frei von Hoffnung, Angst und Schwüren, reines Dasein neben und mit dem Anderen, allein * in allem * was ist. Diese Momente vergisst man nicht. Sie geben Kraft, Gewissheit und oft auch unbeschreiblich tiefe Freude, über das Wunder des Lebens in uns, den Menschen, der Natur und im All.

In der Stille ist alles latent vorhanden, kann jedoch nur in Erscheinung treten, wird es gerufen und der Raum für die Ankunft freigehalten. So erkenne ich an, dass es gar kein Chaos gibt. Denn alles ist Ordnung, weil stets das folgt, was ausgesät worden ist. Das gilt sowohl für den Einzelnen, als auch für das Kollektiv. Die stille Verbindung ist immer gegeben. An dieser bestehenden Ordnung, gibt es nichts zu verbessern. Doch man kann sie überall entdecken, wahrnehmen, lieben, lieben und währenddessen – all das ins Licht ziehen, was noch bis gestern im Allgemeinen als undenkbar galt.

Wie sich das Leben wohl entfalten würde, wären wir uns, wäre sich jeder Mensch, dieser unsichtbaren Gegebenheit stetig bewusst …

Erinnerst Du Dich, wo und wann die stille Verbindung für Dich erstmals fühlbar und offensichtlich in Erscheinung trat?