Ausgeschachtelt hat’s

von Luxus Lazarz

 

Die zeitgemäße Unterhaltung des menschlichen Geistes, in all den uns nur scheinbar bekannten Epochen, schützt das menschliche Individuum vor der Einzelhaft oder noch Schlimmeren, zum Beispiel vor wahrhaften Höhepunkten.

 

Alles, was ein Mensch verlieren kann, gehört nicht ihm. Nichts, rein gar nichts, was ein Mensch wahrhaft braucht, findet jemals als Produkt irgendeiner Industrie in das menschliche Leben. Der Mensch wurde nicht von Menschen erfunden und lebte bereits tausende von Jahren, bevor die industrielle Revolution in sein stilles Dasein einbrach. Den Menschen kalt packte und spaltete, aus 10000 mehr Mann und Frau als jemals zuvor machte, den Konsumenten züchtete, gierige Erfinder, Patienten, Kläger und Opfer wandelbar kultivierte, weil all diese – mehr Geldmacht einbringen, als eine Millionen glücklicher Menschen, die fernab vom Brauchtum und Wahnsinn, ihr alltäglich Dasein feiern. Feiern, gar lobpreisen und wertschätzen, weil das Leben offensichtlich und fühlbar ein tatsächliches Geschenk ist, das der Mensch eben nicht, mal einfach so einkaufen kann, im Supermarkt an der Ecke, im Schuhladen oder an der Sushi-Bar. Ein menschliches Leben ist nicht käuflich. Keiner kann sein Leben verkaufen, wenn dann nur sein verstimmtes Ich, welches ohne Leben tot und wertlos ist.

… und selbst, wenn man so ein frisches und unbenutztes Leben in die Hände bekommt, dann kann man es nur groß und hell lieben, geborgen in ein Dasein entfalten lassen, sonst wird es nichts, was Freude gibt und wiederliebt. Alles, was in Massen und in engen Räumen produziert und gezüchtet wird, ist Blendwerk und Schlaftablette für das Lebendige im Menschen. Die Industrie für Film und Fernsehen zum Beispiel, produziert in ganz besonders schmalen Räumen. Dort sitzen kleine Menschen in winzigen Schachteln, fern von jeder Art Ausblick und erdenken hartnäckig Träume für andere kleine Menschen, die ebenfalls irgendwo in einer Schachtel hocken und zu müde sind, um selbst zu träumen. All diese suchen ihr Herz in einer Massenproduktion.

Ein mittelgroßer Mensch wiederum, noch wach dazu, schüttelt sich den Traum der Kleinen einfach aus den Sinnen. Dann fühlt er das Herz in sich, macht einen weiteren Schritt, ganz unbedacht sowie absichtslos und hinter ihm liegt Schachtelland, welches nun wird – im Feuer einer sinkenden Sonne – restfrei verbrannt.

Am Horizont löst sich die letzte Wolke auf und es quillt Licht, ungehemmt und unbewehrt in jedes Herz, das lieben will. Warum auch nicht? Die Zeit ist reif, ich lass sie gehen.