Von der unerwarteten Zerstörung eines Glaubens

von C. Luxus Lazarz

Im Frühling des Jahres 2003, weilte ich das erste Mal auf einer Insel im Mittelmeer, namens Mallorca. Ich nahm dort an einem Seminar teil, welches das Erkennen des inneren Führers im Menschen zum Thema hatte. Die erste Nacht im Hotelzimmer schenkte mir ein Wunder. Ich wurde überraschend von einer seit sechs Jahren andauernden Allergie geheilt, die mich buchstäblich bei jedem Anfall am Atmen hinderte. In dieser Nacht, mich im Bett windend, sah ich während der Bedrängnis in mir ein Bild aus der Vergangenheit. In der gegenwärtigen Erfahrung fühlte ich nun sehend, wie die Krankheit in mein Leben kam und auch, dass es eine mir unbewusste Entscheidung im Inneren war, welche die Ursache in meinen Körper bildete. Die Begleitumstände, das Erkennen des Verinnerlichten, ließen mich Gewissheit empfinden, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit – beinahe alle Krankheiten im Geist und mittels Wahrnehmung vorgeformt und somit verursacht werden.

Die Krankheit in mir hatte all die Angst und den erbitterten Widerstand fühl- und hörbar ausgedrückt, welchen ich in einer sich beständig wiederholenden Situation meines Lebens empfand, ohne diesen ausagieren zu können. Letztendlich machte mir die Allergie mehr als deutlich, dass ich mich blind gestellt hatte und an etwas festhielt, was mir in keiner Weise wohl tat. Dieser Einsicht folgte eine spontane Heilung. Die Krankheit war innerhalb von Sekunden verschwunden und mit ihr ging auch mein Glaube daran, dass ein Arzt mehr, bezüglich meines Körpers und dessen Bedürfnisse wissen könnte, als das Lebendige in mir selbst. Der gesamte Vorgang hatte nur eine Minute gedauert und war das Erstaunlichste, was ich bis dahin in meinem Leben erfahren durfte. Doch all die Ablenkungen, welche dieser Erfahrung folgten, ließen mich wieder vergessen, was mir im Moment des Geschehens unvergesslich erschien.

Knapp drei Jahre vergingen, bis ich mich wieder auf der Insel Mallorca aufhielt. Dieses Mal besuchte ich einen Freund und blieb ein paar Wochen in Palma de Mallorca, der Hauptstadt der Insel. An einem dieser Tage passierte mir ein Missgeschick. Es tat nicht weh und erschien mir auch keinesfalls beunruhigend, doch es besserte sich nicht. So bestand der Freund schließlich darauf, dass ich einen Arzt konsultierte. Es war eine Ärztin, ein Mensch, dem ich gegenüber saß, ein Mensch, den ich weder kannte noch näher kennen lernen wollte, dem ich mich dennoch letztendlich anvertraute, um Klarheit über meinen Zustand zu erlangen. Allerdings begann diese Beratung anders, als all meine Besuche bei einem Arzt jemals zuvor.

Die Medizinerin fragte mich nämlich, wie lange – der von mir dargelegte Zustand bereits anhielt. Entgegen all meiner sonstigen Gewohnheit, beschloss ich bei der Antwort zu schwindeln. Und so antwortete ich, dass es sich um einen Zeitraum von etwa 24 Stunden handelte, obwohl die Sache bereits drei ganze Tage alt war. Daraufhin sagte die gutgläubige Ärztin zu mir, dass ich noch Glück habe, dass ich jetzt bei ihr sei, denn noch weitere 24 Stunden hätte ich, aus ihrer Sicht und auch laut Lehrbuch, höchstwahrscheinlich gar nicht überlebt. Ganz ernsthaft glaubte die Ärztin den Worten, während ihr Blick dabei in einem Buch verweilte. Ich sagte nichts, da mein Kopf leer und ich dementsprechend sprachlos war. Zumal ich immer noch keine Schmerzen oder irgendeine Beunruhigung in mir fühlte.

Im Anschluss an das Gespräch, untersuchte die Ärztin jene, in meinem Körper betroffene Stelle genauer. Sie zeigte sich höchst erstaunt, bezüglich des guten Aussehens der Unregelmäßigkeit und behandelte das Verzichtbare dennoch vorbeugend mit einer Salbe, welche höllisch in mir brannte. Im selben Moment wurde ich mir meines ersten Aufenthalts auf Mallorca wieder bewusst. Dieses Mal lernte ich, dass der Preis für das Vergessen, auch Schmerz sein kann. Darüber hinaus habe ich noch 150 Euro für das mangelhafte Erinnerungsvermögen bezahlt, weil ich zu diesem Zeitpunkt nicht versichert war. Ich hatte meinen Körper falsch geparkt und war dabei erwischt worden. Genau so, hab ich mich gefühlt.

Damals war ich leicht irritiert, doch dieses Empfinden wandelte sich letztendlich in reine Dankbarkeit. Die Erfahrung habe ich gebraucht, sie brachte mir Erkenntnis und die Ärztin war bereit – mir beim Erkennen behilflich zu sein. 🙂 Ich achte den Menschen in Ärzten und auch Lehrern, diese haben meinen Respekt. Denn auch ich bin ein Mensch, der Wissen übernahm und ungeprüft in sein Leben einbrachte, um es weiter – wahr zu glauben. Meine Erfahrung steht hier nur aus dem Grund, da ich das Beobachtete als des Mitteilens wert erachte. Denn die beschriebene Erfahrung, weist auf außerordentlich nützliche Fähigkeiten hin, die bereits im Menschen, und zwar wohl bereits vor dessen Geburt – eingewebt sind. Sozusagen eine ganz andere Normalität, als sie bisher – und keiner weiß wie lange schon – von uns Menschen für wahr angenommen und hochgehalten wird.