Nebenwirkungen eines Glaubens

Zieht ein Mensch die Möglichkeit – eines langen, schönen, eventuell gar unendlichen Lebens – in Betracht, kann diese Betrachtung ihn dahin führen, dass er zu glauben beginnt, was er nicht bis nie beweisen kann. Dieser scheinbar haltlose Glaube, zeigt dennoch in der Welt Wirkungen, und zwar im  gegenwärtigen Dasein und Existieren des Menschen allgemein. Denn jedes Denken, bezüglich des Endens seines Lebens, verschwindet aus des Glaubenden Gedankenschatz. Wird nun dem Entbehrlichen zugeordnet und schafft somit selbstverständlich Platz und freien Raum, für mehr und weitere Sicht des Lebens.

Ein scheinbarer, jedoch vorübergehender Nachteil, zeigt sich dem Menschen anfänglich darin, dass er sich nicht mehr zur Eile antreiben kann. Kein Widerstand hilft, und jegliche Planung von Aktivitäten bringt nur noch mehr Stillstand mit sich. Oft wird ein Mensch über Jahre entschleunigt, damit Körper und Geist sich dann vollkommen und geheilt, bewusst in der Harmonie des Jetzt vereinen. Ein im Menschen gemachter Glaube ist wie eine Beziehung. Der Geist kann sich rasant vom alten Glauben trennen, doch der Körper braucht Zeit, um den scheinbaren Verlust zu verstoffwechseln. Es ist also ein ganz gewöhnlicher Prozess. War der menschliche Geist dem eigenen Körper weit voraus in Gedanken und Zielen, bedarf es einer dementsprechenden Ruhezeit, um die sanfte Anpassung einzuleiten und zu ermöglichen.

Der Geist braucht wahrlich keine Zeit. Der Körper passt sich der geistigen Erkenntnis zwar stetig an, doch schwingt er als dichte Materie, und was für den Geist im fühlbaren Verstehen – eventuell nur eine Sekunde dauert, zeigt sich durch den Körper manchmal erst nach Tagen, Wochen, Monaten  oder gar Jahren. Je höher der Körper schwingt, umso rasanter kann er die Schwingung des Geistes erfassen und sich diese einverleiben.

Die Schwingung des Körpers sinkt, mit der sich in ihrem Umfang verdichtenden Materie. Leicht ist nur – was zum Himmel strebt. Mit den Jahren wird der Mensch sanfter mit seinem Körper, will er sich nicht selbst weh tun. Manchmal lernt der Mensch allerdings nun auf die harte Tour, was er zuvor kaum bis nie beachtet hat.

Das entspannte Verweilen im ewigen Jetzt ist einem Menschen nur wahrhaft möglich, wenn er konsequent all jenes lebt, was ihm die innerlich gewonnenen Erkenntnisse im Leben vermittelt und gegeben haben. Der Pfad in das ewige Leben auf Erden ist schmal, und der Mensch kann niemanden mitnehmen, der dies nicht will. … und selbst dann, muss jeder erstmal allein gehen, allein mit Gott in sich.

Nichts ist mehr wichtig, weil alles jetzt schon ist. Nun fällt der Mensch in den natürlichen Strom des Lebens, welcher manchmal rasant und in anderen Momenten scheinbar langsam bis gar nicht fließt. Doch wahren Stillstand gibt es nicht. Leben ist Bewegung. Das reine Leben ist ein endloser Strom von Energie, welche jede Form annehmen und erfüllen kann. Alles, was den Menschen umfließt, alles, was durch ihn strömt, ist der ewige Strom des Lebens. Eine Energie, die darauf wartet, genutzt zu werden, um auszudrücken, was einem Menschen vorstellbar ist.

Diese Energie ist kein Ballermann, kein Rettungsanker und keinesfalls ein Übeltäter. Sie erscheint auch nicht auf Befehl, oder um zu beeindrucken. Vielmehr passt sie sich, all den gewünschten und fühlbar gemachten Vorgaben an, während diese sanft Form annehmen und in Ausdruck und Greifbarkeit dem Denken des Menschen entsprechen.

Die allumfassende Energie ist Mutter und Vater zugleich und wird letztendlich erkennbar, als das Beet allen Lebens.

 

Foto und Objekt: Frank Leo Poppner

Foto und Objekt: Frank Leo Poppner