Der gute Irrtum

von Luxus Lazarz

Es ist mir absolut schleierhaft, wie das Gute das Schlechte beherrschen will, ohne diesem ähnlich zu werden. Denn, was bleibt noch gut, wenn es nur das Schlechte im Blick hat? Man kann als Mensch direkt erleben, wie die eigene Wahrnehmung und der Ausdruck sich verändern, wenn alle Aufmerksamkeit dem Unerwünschten gilt. Wenn sich der Ärger grollend entfaltet, der Körper fühlbar anspannt, und wir einem Tiere gleich, auf die kleinste Unachtsamkeit des Gegners konzentriert lauern. In dem Moment, wo wir versuchen, das Schlechte im Anderen zu packen, es zu knacken, in das Licht zu zerren und somit zu verbannen aus unserem Leben, sind wir keine guten Menschen. Vielmehr sind es dann die Vorurteile, gewachsene Urteile, Ängste und oft auch nur Missverständnisse, die durch uns weiterleben wollen, obwohl sie gar nicht in unser Leben und häufig sogar nicht einmal in unsere Zeit gehören.

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Wenn du mit einem Feindbild geprägt wurdest, wird für dich der Feind solange existieren, wie du diesen Gedanken in dir nährst. Doch auch die Wahrnehmung des Feindes kann sich wandeln, in die – eines Menschen. Was dieser bereits war, bevor zum Feind er mir erwuchs. Dann wird offenbar, zwischen Mensch und Mensch gibt es gar keine Probleme. Diese sind lediglich Bestandteil der Rollen, die wir spielen und auch jener Bilder, denen wir Glauben schenken, obwohl es überwiegend nur Illusionen sind, die erst mittels des Menschen Aufmerksamkeit – lebendig werden.

Wie kann sich jemals etwas entfernen, verschwinden oder gar auflösen, wenn man es mit Denken und wüsten Blicken festhält?