Wie aus dem Uns ein Meins wird

von Luxus Lazarz

Ernst Alexander Rauter beschreibt in seinem beachtlichen Buch: „Wie eine Meinung in einem Kopf entsteht“, was einem Menschen widerfährt, wenn er auf der Erde geboren wird. Zusammengefasst erhält der Lesende Einsicht darin, wie er selbst, mittels der ihm gegebenen Informationen, zu jenem wurde, was er heute in sich selbst sieht und annimmt. E. A. Rauter stellt außergewöhnlich klar dar, dass jeder Mensch letztendlich das Produkt all der Informationen ist, welche ihm von Kindheit an zu seiner Menschwerdung gereicht wurden und darüber hinaus zugänglich gemacht werden. Jede Information, die dem Kind gegeben wird, ist vorsortiert und ausgewählt. Ausgewählt aus einer Fülle an Informationen insgesamt, die wahrhaft kein einzelner Mensch überschauen kann.

Informationen sind Möglichkeiten. Der Mensch kann bewusst nur nach jenen Möglichkeiten greifen, die ihm bekannt sind. Möglichkeiten, die über das ihm bekannt Mögliche hinausgehen, kann der Mensch lediglich ersehnen, oder geistig und auch tätig selbst erschaffen. Dazu sollte der Mensch zwangsläufig seine Fantasie nutzen. Genau dafür hat nämlich Gott dem Menschen die Fantasie einverleibt. Hätte Gott gewollt, dass das Leben ewig so bleibt, wie es einmal ursprünglich war und überwiegend auch heute noch ist, wäre die Gabe der Fantasie mehr als hinderlich beim beständigen Genuss des Unveränderlichen.

Bei der Bewusstmachung aller Geschehnisse und Dinge, wie sie sind, soll die Erkenntnis keinesfalls zum Widerstand oder gar Kampf dagegen führen. Vielmehr geht es um die Einsicht, dass das wahrhaft Neue nur aus dem Menschen selbst erzeugt und durch ihn beständig ausgedrückt werden kann. Die Einsicht führt weiter dahin, dass nirgendwo und zu keiner Zeit jemals wirklich Veränderung geschah, wenn zwei Fronten gegeneinander kämpften. Stets lag der 1. Schritt zu einem neuen Weg – in der für alle Beteiligten gütlichen Einigung verborgen. Niemals wurde bisher aus der Menschheit ein Übel mittels Kampf dagegen – wahrhaft beseitigt. Wie im Kleinen so im Großen, wie innen – so auch außen. Kein Mensch, der Menschlichkeit durch sich auslebt, wird gegen Bruder, Schwester, Mutter, Vater, Freunde und Nachbarn, Vorgesetzte und Kollegen, die alle ebenfalls Menschen sind, um Besitz, Existenz, Glauben, Meinungen und Überzeugungen kämpfen. Jene, die es dennoch tun, sind sich Ihrer eigenen Menschlichkeit noch nicht bewusst, sondern lediglich die Marionetten derer, von denen sie erschaffen wurden.

Man erkenne allerdings: Auch jene, die Menschen erziehen, bilden, erschaffen, Menschen, welche dann gegeneinander für die Interessen ihrer Macher kämpfen, wissen nicht wirklich, was sie da tun. Denn mit diesem Tun bringen die Menschenmacher sich selbst, um das ihnen offensichtlich Unbekannte, nämlich um das Erlebnis von Mitgefühl, dauerhaftem Glücksempfinden, Liebe und Zufriedenheit, die bleibend sind, gleichgültig, was im Außen geschieht. Leben ist das Empfinden und Wahrnehmen – im Menschen selbst.

Mensch, beende in dir das Kämpfen, das Dafür und Dagegen, das Urteilen und Werten aus dem sicheren Unterstand. Ein Richter ist ein Richter. Ein Kläger ist ein Kläger. Ein Mensch ist ein Mensch, wenn er sich selbst im Anderen, in dessen Angst, dessen Wollen, oder auch in dessen Wunsch nach Liebe erkennt.